Leseprobe aus den Novembergeschichten

Saulus und Paulus

Lars kniff die dunklen Augen, die er von seiner Mutter geerbt hatte, gefährlich zusammen und holte tief Luft. Für Axel wurde es ungemütlich. Hatte der Radausflug einen Pferdefuß? War er Lars gar auf den Leim gegangen? „Schau mich nicht so misstrauisch an, Kollege. Ich reiß dir schon nicht den Kopf ab. Du kannst der Zukunft gefasst ins Auge blicken, ich werde nicht petzen. Bürschchen, hast dir ganz schön was eingebrockt. Ich bin dahintergekommen, dass du keine weiße Weste hast. Änderst du ab sofort deinen Lebensstil um 180 Grad, dann bin ich verschwiegen wie ein Grab!“ Der Beschuldigte sagte keinen Ton. Er stand auf und starrte aus dem Fenster, als ob von draußen Hilfe zu erwarten sei. Lange Jahre hatte er in Lars einen Feind gesehen, heute hatte er in ihm einen Freund gefunden. Einen wahren Freund. Nach nervenaufreibendem Schweigen drehte sich Axel um und sah Lars ganz tief in die Augen. „Ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, und das ist kein hohles Versprechen, ich werde mich bessern!“ Keine Minute hatte Lars gezweifelt, dass er sein Ziel erreichen würde. „‚Ein Mann, ein Wort!‘ So, mach, dass du nach Hause kommst, deine Eltern werden dich bereits vermissen. Wegen mir sollst du keinen Ärger kriegen.“